Ein vielfältiges Bücherregal …

Romane und Pflanzen in einem Regal
Ein Ausschnitt aus meinen Regalen, hier die Kurzgeschichten- und Romanabteilung.

Die Black Lives Matter Proteste bewegen seit vielen Wochen viele Menschen in den unterschiedlichsten Teilen der Welt aus tragischem Anlass und mit wichtigen Ergebnissen. Während die politischen Dialoge an verschiedenen Stellen mit unterschiedlichem Erfolg geführt werden – die USA sind nicht zuletzt auch ein großes und vielschichtiges Land mit gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen, die sich von jenen Europas und anderen Teilen der Welt unterscheiden – zeigt der gesellschaftliche Dialog auf manchen Ebenen Wirkung. Neben zahlreichen  weltweiten Solidaritätskundgebungen liegt es auch an jeder einzelnen, mal einen prüfenden Blick in den Spiegel zu werfen und sich zu fragen, wo überall denn wie auch immer geartetes Verbesserungspotential vorliegt. Denn Leben heißt lernen, und lernen ist nicht nur wichtig, sondern kann auch Spaß machen.

Lesen bildet – und inspiriert

Bookstagram sei Dank ist mein Spiegel in diesem Fall unter anderem mein(e) Bücherregal(e), das(die) durchaus ein wenig mehr Vielfalt vertragen könnte(n). Zwar arbeite ich akademisch seit gut zehn Jahren mit internationaler Kriegsliteratur, doch trotzdem ist das “international” auch in diesem Kontext durchaus national eingegrenzt. Ich habe einige zentrale vietnamesische, irakische und afghanische Kriegsromane gelesen, die Menge an westlichen und vor allem US-amerikanischen Kriegsbüchern und Klassikern überwiegt aber trotzdem immer noch. Es ist also Luft nach oben, aber nicht mehr für diese Dissertation, sondern eher allgemein und fürs gesamte Leseleben.

Mit der Aktion bzw. dem Hashtag #blackoutbestsellerlist ware Interessierte dazu aufgerufen, in der Woche vom 14. bis 20. Juni zwei Bücher von schwarzen Autorinnen zu kaufen und so deren Position auf den Bestsellerlisten zu verbessern. Trotz Low Buy ging sich das wunderbar mit meinem Bücherbudget aus und ich habe meine Sammlung mit Bernardine Evaristor Girl, Woman, Other und Wayétu Moores She would be King erweitert. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich meine Buchauswahl an bestimmten Autorinnen festmache, denn es war auf jeden Fall eine ausgezeichnete Auswahl.

die buecher von zwei autorinnen auf schwarzem hintergrund
Meine Neuerwerbungen für #blackoutbestsellerlist – Bernardine Evaristo habe ich schon gelesen und eine neue Lieblingsautorin entdeckt, bei Wayétu Moore bin ich noch mittendrin.

Wir alle haben Lieblingsautorinnen und Lieblingsthemen, zu denen es uns immer wieder hinzieht. Bei mir hängt das nicht zuletzt auch von gewissen Stimmungen ab, ob ich meinen Nachmittag nicht lieber mit Jessica Fletcher in Cabot Cove auf Mörderjagd verbringe denn mit einem kritischen Roman zur Barbarie der Sklaverei meine Kurzzeit-Depression zu vertiefen. Das soll nicht bedeuten, dass ich mich diesen Themen nicht stellen will. Ich kenne mich nur gut genug um zu wissen, dass ich es nicht zu jedem Zeitpunkt tun sollte. Und etwas ähnliches kennen viele. Aber Tiefs und Stress ziehen vorüber, und ruhigere, stabile Zeiten bieten Möglichkeiten, den eigenen literarischen Horizont zu erweitern. Weil Lesen so viel mehr kann als “nur” zu unterhalten. Und die meisten von uns Leseratten ja genau das auch so zu schätzen wissen.

Entdecke deine Bücherregale – mal wieder

Buecherregal mit Kriegsliteratur und anderen buechern
Und hier noch ein Teil der Kriegsliteratur, unter anderem. Auch da kann sich noch was tun …

Während meines Low Buys habe ich es mir unter anderem zum Ziel gesetzt, in meinen eigenen Bücherregalen zu “shoppen”, also meine verborgenen Schätze, die ich irgendwann mal gekauft und ungelesen vergessen habe, wiederzuentdecken. Das macht immer noch Spaß und schneidet unter strengerem Blickwinkel tatsächlich auch gar nicht so schlecht ab wie ursprünglich befürchtet. Ich habe immer noch einen Vorrat an ungelesener Kriegsliteratur aus Vietnam, Irak und Afghanistan, die mir viele neue Perspektiven bescheren wird. Zora Neale Hurston, Ralph Ellison, Chimamanda Ngozi Adichie, Sinan Antoon, Hassan Blasim, Le Minh Khue, Nurrudin Farrah, Chinua Achebe sind nur einige meiner Schätze, die schon seit vielen Jahren in meinen Regalen auf ihre Wiederentdeckung warten. Und im Laufe der Monate und Jahre werden noch einige hinzukommen – allerdings mit Umsicht und Interesse gekauft. Denn bewusster Konsum und bewusstes Lesen dürfen Hand in Hand gehen …

Also, schauen wir uns doch mal genau an, was und wen wir so lesen – und warum. Ist es Gewohnheit, Zeitvertreib oder ein bisschen Fangirling? Und können wir daran doch noch ein bisschen arbeiten? Es gibt noch so viel abseits der Buchhändler- oder Amazon-Vorauswahl zu entdecken. Ob auf Instagram (Bookstagram), Twitter, Goodreads oder dank Tante Google: Es lassen sich immer wieder tolle neue Einblicke zwischen zwei Buchdeckeln finden! 🙂

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